Each-Way-Wette erklärt: Wie die Doppelwette bei Pferderennen funktioniert

Erklärung der Each-Way-Wette bei Pferderennen mit Berechnungsbeispiel

Ladevorgang...

Vor sieben Jahren gab mir ein erfahrener Wetter an der Bahn in Düsseldorf einen Rat, den ich bis heute weitergebe: „Wenn du einen Außenseiter gut findest, aber nicht genug Mut für die reine Siegwette hast – spiel ihn Each-Way.“ Damals klang das wie ein Kompromiss für Unentschlossene. Heute weiß ich, dass die Each-Way-Wette eines der klügsten Instrumente im Werkzeugkasten eines Pferdewetters ist, wenn man sie richtig einsetzt.

Die Each-Way-Wette hat britische Wurzeln und ist dort so selbstverständlich wie der Tee am Nachmittag. In Deutschland kennen sie deutlich weniger Wetter, was schade ist – denn gerade bei größeren Feldern kann sie Rendite liefern, wo die reine Siegwette ins Leere läuft. Und mit einem globalen Wettmarkt, der bei Pferderennen 36% aller Einsätze als Win Bets und 22% als Each-Way-Wetten verbucht, zeigt die Statistik klar: Die Doppelwette ist kein Nischenprodukt, sondern das zweitbeliebteste Format der Branche.

Aufbau einer Each-Way-Wette – Sieg- und Platzteil

Die erste Verwirrung bei der Each-Way-Wette liegt schon im Einsatz. Ich sage meinen Lesern immer: Vergiss das Wort „Wette“ im Singular – es sind zwei Wetten in einem Paket.

Wenn du 10 Euro Each-Way setzt, platzierst du tatsächlich 20 Euro: 10 Euro auf den Sieg deines Pferdes und 10 Euro auf dessen Platzierung. Diese beiden Teile werden unabhängig voneinander abgerechnet. Das ist entscheidend, denn viele Anfänger glauben, sie hätten nur 10 Euro riskiert, und wundern sich dann über den doppelten Abzug vom Konto.

Der Siegteil funktioniert wie eine normale Siegwette – gewinnt dein Pferd, bekommst du den vollen Siegkurs ausgezahlt. Der Platzteil wird zu einer reduzierten Quote abgerechnet, dem sogenannten Platzanteil. Dieser beträgt typischerweise ein Viertel oder ein Fünftel des Siegkurses, abhängig vom Anbieter und von der Feldgröße. Bei Handicap-Rennen mit 16 oder mehr Startern bieten manche Buchmacher sogar einen Drittel-Platzanteil, was den Platzgewinn deutlich erhöht.

Gewinnt dein Pferd, kassierst du beides: den Siegteil plus den Platzteil. Wird es nur platziert, ohne zu gewinnen, verlierst du den Siegeinsatz, bekommst aber den Platzteil ausgezahlt. Kommt es weder auf einen Platzrang noch auf den Sieg, verlierst du beide Einsätze – also die vollen 20 Euro.

Die Platzierungsregeln variieren. Bei Feldern mit fünf bis sieben Startern zählen üblicherweise die ersten zwei Plätze. Ab acht Startern werden die ersten drei bezahlt. Und bei großen Handicaps mit 16 und mehr Pferden erweitern einige Anbieter auf vier Platzränge. Diese Staffelung hat einen direkten Einfluss auf den Wert der Each-Way-Wette.

Gewinnberechnung Schritt für Schritt

Zahlen sagen mehr als Erklärungen, also rechne ich ein konkretes Szenario durch, das die Mechanik glasklar macht.

Angenommen, du setzt 10 Euro Each-Way auf ein Pferd mit einer Siegquote von 10,00. Der Platzanteil beim Anbieter beträgt ein Fünftel. Dein Gesamteinsatz liegt bei 20 Euro.

Szenario eins – das Pferd gewinnt: Der Siegteil zahlt 10 Euro mal 10,00 gleich 100 Euro. Der Platzteil zahlt 10 Euro mal 2,00 (ein Fünftel von 10,00) gleich 20 Euro. Gesamtauszahlung: 120 Euro. Abzüglich deines Einsatzes von 20 Euro ergibt das einen Nettogewinn von 100 Euro.

Szenario zwei – das Pferd wird Zweiter oder Dritter: Der Siegteil geht verloren, minus 10 Euro. Der Platzteil zahlt 10 Euro mal 2,00 gleich 20 Euro. Gesamtauszahlung: 20 Euro. Abzüglich des Gesamteinsatzes von 20 Euro stehst du bei plus/minus null. Du hast deinen Einsatz zurück – kein Gewinn, aber auch kein Verlust.

Szenario drei – das Pferd wird Vierter oder schlechter: Beide Teile verloren. Minus 20 Euro.

Das Break-Even-Szenario aus meinem Beispiel ist typisch für Pferde mit Siegquoten um 10,00 bei einem Fünftel-Platzanteil. Steigt die Siegquote höher, wird die Each-Way-Wette profitabler, weil der Platzteil allein schon Gewinn bringt. Bei einem Pferd mit Siegquote 20,00 und einem Fünftel-Anteil erhältst du auf Platz 10 Euro mal 4,00 gleich 40 Euro – das sind 20 Euro Gewinn, selbst wenn das Pferd nicht gewinnt. Und genau hier liegt die Stärke des Formats.

Wann sich Each-Way lohnt – und wann nicht

Die harsche Wahrheit: Each-Way auf Favoriten ist fast immer Geldverschwendung. Bei einem Pferd mit Siegquote 3,00 und einem Fünftel-Platzanteil liegt die Platzquote bei 0,60 – du bekommst weniger zurück als deinen Einsatz. Das ist mathematischer Unsinn.

Each-Way entfaltet ihren Wert in einem präzisen Szenario: Du hast ein Pferd identifiziert, das besser ist als seine Quote vermuten lässt, aber das Feld ist groß genug, um den Ausgang unsicher zu halten. Das Pferd hat eine realistische Chance auf einen Platzrang, und die Siegquote liegt hoch genug, dass der Platzanteil allein schon eine respektable Rendite bringt.

In meiner Praxis setze ich Each-Way bei Siegquoten ab 8,00 ein, in Feldern mit mindestens zehn Startern. Darunter lohnt sich die Struktur selten. Favoriten in Pferderennen gewinnen nur in etwa 30% der Fälle – das bedeutet, dass in den meisten Rennen ein Nicht-Favorit gewinnt, und genau diese Pferde sind die natürlichen Kandidaten für Each-Way.

Es gibt noch eine Situation, in der Each-Way besonders elegant funktioniert: bei Ante-Post-Wetten auf Großevents wie das Deutsche Derby. Wochen vor dem Rennen sind die Quoten oft aufgebläht, weil die Unsicherheit hoch ist. Ein Each-Way auf einen qualifizierten Außenseiter kann in diesem Stadium sehr attraktiv sein, weil die Platzquote allein schon den Einsatz deckt, selbst wenn sich am Renntag herausstellt, dass das Pferd nicht ganz an die Spitze kommt.

Wann solltest du Each-Way meiden? Neben den bereits erwähnten Favoriten sind kleine Felder mit vier oder fünf Startern problematisch, weil nur zwei Platzränge bezahlt werden und die Platzquoten zusammenfallen. Ebenso wenig sinnvoll ist Each-Way, wenn du dir deiner Analyse sehr sicher bist – dann verdünnt der doppelte Einsatz deinen potenziellen Gewinn, ohne einen proportionalen Sicherheitsgewinn zu bringen. In solchen Fällen ist die reine Siegwette die schärfere Waffe.

Die Each-Way-Wette ist kein Sicherheitsnetz für Unentschlossene. Sie ist ein gezieltes Instrument für spezifische Marktsituationen – und wer diese Situationen erkennt, erweitert sein Repertoire um eine der effektivsten Wettarten im Pferderennsport. Mehr über die strategische Einordnung aller Wettarten findest du im Überblick zu den Pferderennen-Wettarten.

Gibt es Each-Way-Wetten auch beim deutschen Totalisator?
Nein, die Each-Way-Wette ist ein Produkt der Festkurs-Buchmacher und im klassischen deutschen Totalisator-System nicht verfügbar. Beim Toto kannst du allerdings separat eine Siegwette und eine Platzwette abgeben, was im Ergebnis ähnlich funktioniert, aber die Platzquote wird dann nach dem Poolprinzip berechnet, nicht als Bruchteil der Siegquote.
Wie wird der Platzanteil bei Each-Way berechnet?
Der Platzanteil ist ein fester Bruchteil der Siegquote, der vom Anbieter vorgegeben wird. Üblich sind ein Viertel oder ein Fünftel. Bei einem Pferd mit Siegquote 10,00 und einem Fünftel-Anteil beträgt die Platzquote 2,00. Bei Handicap-Rennen mit 16 oder mehr Startern bieten manche Anbieter einen Drittel-Anteil – dann wäre die Platzquote 3,33. Der genaue Bruch wird vor Wettabgabe im Wettprogramm angezeigt.